Da war einer in Berlin [Versuch eines kritischen reiseberichts, teil2]


huguenot

 

 

To be a tourist is to escape accountability. Erros and failings dont cling to you the way they do back home. You’re able to drift across continents and languages, suspending the operation of sound thought. Tourism is the march of stupidity. You’re expected to be stupid. The entire mechanism of the host country is geared to travelers acting stupidly. You walk around dazed, squinting into fold-out maps. You don’t know how to talk to people how to get anywhere, what the money means, what time it is, what to eat or how to eat it. Being stupid is the pattern, th level and the norm. You can exist on this level for weeks and months without reprimand or dire consequence. Together with thousands, you are granted immunities and broad freedoms. You are an army of fools, wearing bright polyesters, riding camels, taking pictures of each other, haggard, dysenteric, thirsty. There is nothing to think about but the next shapeless event.

Auch dies, ein relativ drastisches bildniss. Und immer wieder die macht der masse, hier porträtiert als eine art invasion von auswärtigen. Für jede BerlinerIn mit einem auch nur einigermassen ausgebildeten historischen bewusstsein, und davon gibt es unzählige, kann es wohl nichts ambivlenteres geben, als eine besatzung durch grossmächte und seien es bloss horden von touristen. Es handelt sich eben nicht um dem krieg entflohene 15’000 französischen Hugenotten. U.a daher also meine starken vorbehalte gegenüber dem label als tourist, auch wenn es micht nicht vor der gerechtfertigten anwendung des labels in bezug auf meine person schützt.

Tatsache ist nämlich, ich habe mich vor meiner abreise so gut wie gar nicht über die stadt informiert. Der ständige mangel an zeit für alles, sogar zum leben, der uns allen aus dem sogenannt modernen leben bekannt ist, könnte als grund aufgeführt werden. Aber hinter dieser bewussten ignoranzbeibehaltungsstrategie gab es auch einige konkrete überlegungen. Z.b., dass ich die stadt mit “frischen augen” erfahren wollte, ohne durch irgendwelche kulturellen oder historischen abhandlungen übermässig in meinem denken eingeschränkt zu sein….dass ich mich den sinneseindrücken und einzigartigkeiten Berlins mit einer gewissen, fabulierten, kindischen naivität hingeben könnte. Die lokale couleur konnte ich mir dann immer noch im nachhinein aneignen, um meinem bericht einen gelehrten, akademischen ton unterzujubeln, der die leserInnen evtl beeindrucken würde, solange sie nicht auf die idee kämen, sich selber in sekundenschnelle auf wikipedia, berlin.de, etc. schlau zu machen. Was ignoranz anbelangt, war ich also ein vollständiger tourist.

In einem anderen sinne, war ich aber schon ein wenig vorgeprägt oder vorinformiert, was diese östliche metropole anbelangt. Ich hatte dort vor drei, vier jahren, das vergnügen während weniger monate im sommer zu arbeiten. Glücklicherweise handelte es sich um eine jugendliches jungunternehmen voller kreativität und unternehmungsgeist, sodass zwischen meinem arbeitsalltag und dem erleben der sonstigen aspekte der stadt, sich nicht eine allzu immense kluft auftat. Es war schon, zugegebenermassen, ein etwas privilegiertes dasein [sieht man mal von der minimalen wohnung ab], aber es verdeutlichte mir überklar, wie unendliche viel genehmer es mir ist, mich gleich als blosser bürger in einem neuen ort einzuleben, statt mich kopfüber von sehenswürdigkeit zu kulturevent zu nachtleben zu stürzen… weil der funfaktor der aufenthaltsdauer notläufig optimiert werden muss.

Als dort-lebender, egal wo, stellen sich einem direkt die praktischen fragen: in welchem quartier am ehesten wohnen? Welches ist die beste u-bahn verbindung? 4 euro für falafel, das kann doch aber bitte nicht wahr sein, oder? Das leben kriegt so eine art duft und textur und rythmus, den man als ausschlafender, attraktionen-jagender tourist einfach nicht so mitbekommt. Und das möchte man ja auch nicht, man geht in die ferien um sich aus dem alltag abzusondern, um zeit ausserhalb von verpflichtungen [reglementierter zeit] zu geniessen. Daran lässt sich nicht gross meckern. Vielleicht habe ich als stellenloser und ständig umherbummelnder also eine art alltagsdefizit, welches ich zu überkompensieren versuche, indem ich manchmal probiere, eher als einheimischer statt als tourist zu agieren. Oder zumindest mache ich mir das so vor.

Im fall meines diesjährigen Berlin besuches waren diese unterfangen relativ limitiert und erfolglos. Am dritten tag begab ich mich in ein internet-café, in welchem drei junge kerls arbeiteten, die mich frappant an meine zeit bei studiVZ erinnerten [dieses energetische, selbst-unternehmerische je-ne-sais-quoi welches mir völlig abgeht]. Dort lud ich von meinem bio-degradable memorystick eine meiner bewerbungsbegleitbriefe herunter und begann fieberhaft nach entwicklungszusammenarbeitsbuden in der metropole zu googeln. Zu hause hatte ich total erfolglos dasselbe probiert, was ich als für absolut unbegreifbar, als auch unwahrscheinlich hielt. Dieses mal hatte ich mehr glück und fand nach kurzer suche die Site, was mir sofort das gefühl verlieh, von Fortuna bevorzugt geworden zu sein.

Bei meinen unzähligen niederlagen verhält es sich interessanterweise häufig so, dass ich kurz oder unmittelbar zuvor so ein schicksalhaftes glücks- oder zufallserlebniss habe, welches mir die illusion verleiht, dass mein leben jetzt in neue, aufregende bahnen gelenkt wird, bevor die gesamte chose mit einem grossen spritzer wieder ins wasser fällt. Die erinnerung an dieses gute, auserwählte gefühl verhält sich dann in den unendlichen gewässern meiner erfolgsloslosigkeit, wie eine art rettungsboje oder schwimmweste, die mich über wasser hält, bis ich die gelegenheit habe zum nächsten hoffnungslos überschwänglichen höhenflug anzusetzen. Als aussenstehender sieht das ganze wahrscheinlich nach einer nicht sonderlich geglückten komödie aus, aber aus meiner sicht ist es, sobald ich aus den untiefen wieder empor tauche, doch äusserst amüsant….aber in zukunft bitte ohne mich.

Auf jeden fall fand ich eine lange liste von NGOs, machte mache an die arbeit und schrieb im verlauf der nächsten drei stunden dreizehn spontanbewerbungen an institutionen, welche sich einigermassen mit meinen interessen deckten. Was wirklich ein wenig enttäuschend war, war dass die absagen nicht anders formuliert werden, als hierzulande auch. Vielleicht hatte ich mir eine gewisse offenherzig-brutale direktheit gewünscht, wie sie unserem klischees des deutschen umganges entspricht, aber das war nicht der fall, einfach “leider sehen wir zur zeit in unserer organisation keine möglichkeit Ihnen…”.

 

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