Südafrika 2010: Alles Fussball oder was??? [Teil 1]


Madiba and World Cup

Nächstes Jahr findet in Südafrika die FIFA Fussball WM 2010 statt. Nachdem dieser Event 2006 in Deutschland ausgetragen wurde, ist die Welt im kommenden Jahr erstmals auf dem afrikanischen Kontinent zu Gast. Bei anhaltender Leistung, wird wohl auch unsere Schweizerische Nationalmannschaft mitkicken dürfen falls, ja falls die WM denn tatsächlich 2010 stattfindet und nicht, wie schon südafrikanische Gewerkschaftsverbände teils verkündet haben 2011.

In Zeitungen liest man von Streiks unterbezahlter Bauarbeiter auf den unfertigen WM Anlagen und auch in den Slums regt sich der Widerstand (HeraldScotland, 08.09.2009, The real winners and losers). In Südafrika bringt die Fussball WM also 15 Jahre nach dem Ende des Apartheid Regimes noch ganz andere Fragen mit sich: Wer ist am Ball, wenn es um das Wohl von Land und Leuten geht? Schiesst sich Südafrika mit der Austragung eines solchen Megaevents nicht ein Eigentor?

 

Auf der wirtschaftlichen Ersatzbank

Vor anderthalb Jahrzehnten endete die gesetzliche Rassentrennung in Südafrika, eine erfreulicher Neubeginn, der sich auch für den Aussenstehenden sofort in der Aufstellung der Bafana Bafana (Name des Südafrikanische Nationalteams), erkennen lässt. Aber die Vielfalt der Hauttypen im Südafrikanischen Fussball täuscht nur oberflächlich über eines der grossen Probleme hinweg: die kontinuierliche Armut grosser Teile der schwarzen/afrikanischen Bevölkerung. Der ehemalige Anti-Apartheid Aktivist, Journalist und Historiker R. W. Johnson hält fest:

Bei der meist verwendeten Messweise, befindet sich die Arbeitslosenzahl seit längerem in der Grössenordnung von 38%-40%; obwohl sogar diese Statistik, Leute als angestellt zählt, wenn sie nur eine einzige bezahlte Stunde pro Woche arbeiten (z.B. Waschen und Polieren von Autos). (NLR, Juli/August 09)

Obwohl es um die Arbeitslosenzahlen eine grosse Debatte gibt, sind auch auf der Website der offiziellen Stelle, Statistics South Africa, die Unterschiede zwischen Schwarzer/Afrikanischer Bevölkerung und Weissen für das zweite Quartal 2009 frappierend: 27.9% gegenüber 4.6% (siehe http://www.statssa.gov.za); im Fussball wäre dies ein bedenkliches Torverhältniss.

Aber wie sieht das konkret im Alltag am Kap aus? Wer ist am Ball und wer dribbelt am Rande der Existenz?

 

Abseits in Kapstadt

Wenn man durch die Strassen am Kap der Hoffnung spaziert, ist das Erste, was einem ins Auge sticht, die grosse Anzahl von Obdach- und Arbeitslosen: Leute im sozialen Abseits. Sie versuchen sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten, z.B. indem sie einem Anweisungen zum Auto parkieren geben oder selbstgebastelte Souvenirs verkaufen.

Im Gegensatz zu den Obdachlosen und Strassenkinder, gibt es die sogenannten „Black Diamonds“, eine kleine, schwarze Mittelklasse. Gemäss einer Studie der Uni von Kapstadt machen sie rund 12% der schwarzen Bevölkerung aus. Die Tatsache, dass einst unterdrückte Südafrikaner in den Mittelstand haben aufsteigen können,  ist der ANC Regierung hoch anzurechnen. Solche Erfolge sind für das Selbstbewusstsein des Landes sogar noch wichtiger, als jene von Bafana Bafana.

Trotzdem können diese individuellen Glanzleistungen nicht davon ablenken, dass ein Jahr vor der Préstige Veranstaltung der FIFA , sich die Nation am Kap als ein Team von Mitspielern den Problemen der Armut und Arbeitslosigkeit stellen muss, wenn sie mehr als nur den Kurzzeiterfolg der Fussball WM 2010 zelebrieren will.

Die wichtigste Frage, die sich in solchen Zeiten weltweiter, wirtschaftlicher Misere stellt ist: wie verbessern wir die Lage? Wie schaffen wir den Aufstieg? Unter diesen schwierigen Bedingungen berufen sich die Leute aus den Townships, den riesigen Slums an den Rändern der Südafrikanischen Städte, vernachlässigt von Staat und Privatwirtschaft, wieder auf die wirtschaftliche Selbsthilfe. Der Kapstadt Talent Exchange (Talent Austausch)  ist hierbei wohl einer der originellsten Lösungsansätze, gemäss dem Motto: wer nie mitspielen darf,  muss eben seine eigene Liga gründen!

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