Joelle “Schnee” Wittschen [pt.IV]


Scepter_and_Orb_by_Malro_Doll

Und so begab es sich tatsächlich, dass schon bald nach dieser verladenen beschwörung, König Wittschen sich mit der todhübschen koksnase ins bett legte. Aber bevor sie die beschwerliche schwangerschaft übersteht, hat Angela Wittschen einen unglücklichen sturz in einem der örtlichen crackpaläste, der ihr die wirbelsäule crackt. Das bringt sie zwar nicht auf der stelle um, aber versetzt sie in einen permanenten vegetativen zustand in welchem König Wittschen sie nur erhält, damit sie ihren kleinen jungen zur welt bringen kann, damit dieser das syndikat übernehmen kann, falls und wenn eines tage die verdammten bullen oder einer der kläglichen rivalen des königs es schaffen sollten, ihn kalt zu machen.

Zwei monate später, als der chirurge das bezaubernde baby aus dem uterus der todgeweihten Angela fischt, kann man sich nur vorstellen, was für ein mass an vorübergehender enttäuschung Nicolas Wittschen empfindet, als er herausfindet, dass es nicht ein potentiell muskulöser, pistolen ballernder, behörden bestechender, weichteil kratzender, männlicher nachfolger für den thron und das zepter und die kugel des rauschmitteluntergrund wird, sondern stattdessen eine einfühlende, kosmetik verwendende, moralisch überwältigende, möglicherweise magersüchtige, multi-taskende weibliche…. Prinzessin. Die unkluge anmerkung eines untertan bezüglich Queen Elizabeth der Ersten von England, als symbol von unangefochtener macht/stattlichkeit plus politischem geschick, führt dazu, dass dieser lakai sich mit den gedärmen in der hand nach der nächsten klinik bemühte.

Aber dann halt irgendwie nichtsdestotrotz, fliesst von irgeneindem geheimen inneneren ort des Königs wahre vaterliebe in richtung prinzessin: sorge die im gegenzug absolut gar nichts erwartet, welche ihre selbstaufopferung erst gar nicht mal mit gegenseitigkeit oder irgendeiner emotionalen form von rentabilität assoziieren kann. Viele lakaien sind verblüfft über die unendliche kluft eines unterschiedes der sich zwischen K.Ws verhalten gegenüber ungehorsamen untertanen und seinem eigenen, zusehends hübscheren, fleisch und blut eröffnet.

Aus solch vätterlicher zuwendung entwickelt sich Joelle „Schnee“ Wittschen in ein ausgenommen anmutiges fräulein mit einem regen interesse an afrikanischer literatur, volleyball, das origamiwerk von Anselm Arslanian und, wie könnte es anders sein, die biochemie von crack/kokain, mit welchem sie hofft die rubinrote herrschaft ihres vaters über Altra luna zu erweitern und zu verbessern. Während J. „Schnee“ Wittschen ihres Vaters endlose fürsorge erwidert und nur in den höchsten tönen von seiner geschäftstüchtigkeit schwärmt, wird auf beiden enden der famlialen dyade peinlichst penibel eine geheimniss gehütet: Nicholas Wittschen hat keine ahnung von der affenliebe seiner tochter für llallo [cocaina] und im gegenzug ist die adoleszente Joelle vollkommen ahnungslos von Papis ruf als eine unerbittlich, blutdurstige nummer eins, dessen bloser name schrecken verbreitet. Diese fragile, geheime balance wird lange gehalten und sogar die unterwürfigen gefolgsleute haben ein persönliches interesse an diesem stand der dinge, angesichts der unvorhersagbaren wutanfälle in die sich der könig wahrscheinlich stürzt falls und wenn er herausfindet, dass die haut nicht das einzige an Joelle ist, dass schneeweiss ist.

Nichtsdestotrotz kommt es zur katastrophe, von links, als seine tochter die prinzessin eines wunderschönen tages verkündet, dass sie an eine Arslanian ausstellung („Bifoldar“) gehen werde, dann aber unerwartet früh zurückkehrt, da der ort einfach total ausverkauft ist. Sie betritt die riesengrosse lagerhalle unter ihrem penthousekomplex in genau dem moment, in dem ihr vater, gekleidet in theatralischem, karmesinrotem ornat , einen 1.2m langen schwertnachbau seitwärts durch den hals eines hinterhältigen dealers säbelt. Strassenkodex: kein verpfeifen, kein doppelspiel, niemals. Aber dieser pusher ist bescheurt/selbstmörderisch genug gewesen, dass er versucht hat mit Don Giovanni Maffick zu machen. Maffick ist so ein idiot von capo, wie es ihn sonst noch nie gegeben hat.

 

 

 

 

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