Joelle “Schnee” Wittschen [t.II]


Blood_Spatter

Still, verzweifelt, durch unglaubliche neuronale turbulenzen hindurch versucht Joelle „Schnee“ (brutal ehrlicher spitzname enger freunde) Wittschen einen zusammenhängenden gedanken zu formen, mit dem es dann möglich wäre die mühsame arbeit einer überzeugenden, uninstrumentalisierbaren erklärung zu beginnen. Ihr arm bringt sie um, also beginnt sie furios an ihren nägeln zu kauen.

Der aufmerksame Charlie entfesselt vor der unglücklichen Joelle einen neuen redeschwall

  • Das ist kein werturteil, ich halte nur meine theorie fest: Du hast dich in diesem kiez herumgetrieben, Gaia Hills falls du dich immer noch wunderst, bist um diesen wohnblock gekreist und hast versucht was klar zu machen. Entspricht das nicht eher den tatsachen Joelle?

Und auf Charlies gesicht springt, was J.S.W. als ein massiv dämonisches grinsen wahrnimmt, bei dem sie sicher ist, dass sich die mundecken jeden moment auf dem hinterkopf treffen werden, wonach die oberen drei-viertel seiner leicht überdehnten rübe auf schrecklichste weise herunterpurzeln werden.

Joelle nickt einmal heftig mit dem kopf, was sehr nach dem beginn irgendeiner art von anfall aussieht, was sie aber bloss tut, um das lebhafte bild von Charlie Kreyzeys auseinander fallendem kopf aus dem ihrigen zu befördern. Wenn sie voll auf dem aff ist, beginnen die schrecklichsten vorstellungen in Joelles kopf einzudringen, sodass die nasale einnahme ernsthafter mengen von koks nicht bloss eine frage der stillung des verlangens ist, aber auch, zu einem wesentlichen teil, ein mittel um absoluten, grauenhaften wahnsinn auf distanz zu halten. z.b. die ganze welt als ein wunderschönes, perfekt symmetrisches [!] gebilde wahrzunehmen, in dem sie das einzige, abscheulich unsymmetrische objekt ist, und auch von einem unsagbaren schrecken erfüllt, dass sie den rest ihrer unendlichen tage ohne symmetrieachse zubringen werden muss. Nicht nur des hausdrachens H. Trefoils schuld, diese üble kombo von Joelle und schnee, Fey Konman, schweinehund eines supermodellagenten hat seinen teil dazu beigetragen.

Normalerweise würde C.Ks scharfsinnige enthüllung von J.S.Ws innerstem selbst die schönheit zutiefst treffen, aber in diesem fall sind die konsequenzen anders, da sie korrekt schlussfolgert, dass wenn Charlie die art von auge hat, welches so kritisch ist, dass es eine koksbesessene in ein paar flüchtigen sekunden erkennen kann, dass er dann, zumal er in einem crackhouse lebt, auf jeden logischen fall verbindungen mit dealern, möglicherweise capos hat oder vielleicht sogar selber, in einem eigenen versteck am ende des glitzernden korridors einen vorrat besitzt. Diese kette von assoziationen leuchtet einfach als ein einziges kompliziertes bildzeichen vor ihrem triefenden, inneren auge auf, wird dann auf ihre gesichtszüge übertragen als ein grinsen, nachdem es keine anderen grinsen mehr gibt.

>>

Es muss an dieser stelle noch ein wenig aufgerollt werden.

Joelles mutter Angelina, als sie noch kardiovaskulär zu gebrauchen war, ist die wunderschönste dopeschneiderin einer wahrhaften trupe von dopeschneiderInnen, welche dem befehl von Altra Lunas höchstrangigem drogendealer, Nicholas „King“ Wittschen unterstehen, der die Kokainoberherrschaft mit einer brutalität beibehält, welche im ganzen lande ihresgleichen sucht, inklusive kopf abschneiden, füsse rösten, peniselektrifizierung, Piranhafütterung, Vlad Ţepeş-inspirierte aufspiessungen, etc.

Eines nachts arbeitet Angelina wieder mal überstunden, da eine gigantische schiffsladung kokain, in kleider und schoko verarbeitet, aus kolumbien eingetroffen ist. Zu diesem zeitpunkt ist sie darauf bedacht, Nicholas Wittschen mit ihrer arbeitsmoral zu beindrucken, zerstückelt koksbrocken so schnell wie sonst niemand, unter hellem fluoresezenlicht in ihrer ebenholz arbeitsnische… bereitet rasend schnell kügelchen u. ä. zu.

Wie dem auch sei, angesichts der tatsache, dass sie nun bereits zwei nächte hintereinander das helle weiss zerschneidet, beginnt ihr konzentrationslevel ernsthaft abzuflauen und ihre sicherheit mit dem schneidwerkzeug nimmt exponentiell ab. Es kommt soweit, dass Angelina, die wie wild zum dröhnenden beat von Lady BlahBlah’s neuester single arbeitet, während zulierferer rein und raus spazieren als ob es Ellis Island im frühen 20ten sei, ab und zu eine linie staubsaugernd um das tempo beizubehalten, mit all dieser scheisse am dampfen, kommt es soweit, dass sie sich versehentlich tief in die linke handfläche schneidet, von der sofort blut auf den grossen weissen haufen auf dem sehr schwarzen arbeitstisch tröpfelt. Welch herrlich anblick: das rubinrote blut, das schneeweise koks, das ebenholzschwarze pult. So spricht Angelina:

– Wünscht mir, ich hätt ein kind so weiss wie stoff, so rot wie blut und so schwarz wie Ceylon ebenholz. 

Advertisements

About tmabona

writer, reader [bolano, DW, bellow, deLillo], runner, badmintoneer
This entry was posted in Joelle "Schnee" Wittschen and tagged , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Reply disabled

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s