TICKTOCK [Luzern is RAV, pt.IV, fin]


GeraldMurphyWatch

 

Ich tauchte in die A4wogen und kam mit einer grossen, grauschwarzen box wieder herauf. Auf der vorderseite war ein riesiges, schwarzes display mit neongelben zahlen.

01 jahre / 08 monate / 23 tage / 04 stunden / 15 minuten / 01 sekunden

Oberhalb der ziffern wurde ich informiert ,um was es sich denn handelte, ob ich ein teil von, wenn  nicht der mitternacht, dann zumindest der weltgeschichte, sein würde. Es stand dort: Verbleibende zeit bis zum vollständigen auswurf von Benedict Foster Fanon aus der Helvetischen normalgesellschaft.

–              Ha! Hahahahahaha!

Ich konnte mich kaum beherrschen, lachte aus dem bauch heraus, aber auch aus vollster verachtung.

–              Niemals!

Schrie ich.

–              Ich lebe nach meiner eigenen uhr!

Und schleuderte die chronopathische kiste an die nächste wand, wo sie in tausend nutzlose teile zerbarst und das unausstehliche  TICK-TOCK-TICK-TOCK-TICK-TOCK endlich verstummte. Ich spürte, wie sich mein symbolischer status als parasit in luft auflöste.

–              Da hast dus!

Schrie ich triumphierend, mit beiden mittelfingern in richtung der zerschlagenen uhr gestreckt. Ich hatte mich bald wieder beruhight und fing an, nach einem ausgang zu blättern. Das eingangsloch war zu weit über dem boden, als dass ich es wieder hineingeschafft hätte. Allerdings entdeckte ich eine weitere öffnung in der gegenüberliegenden wand und ich zog mich mühselig hinauf.

Es genügt hier anzumerken, dass der rückweg unglaublich lang und beschwerlich war. Manchmal wurde ich von metallischen dingen angeklaubt, bei denen es sich um lange, mechanische arme handelte, welche aus den dunklen einbuchtungen des engen tunnels auf mich niedersausten. Einige male spähte ich durch öffnungen, die potentielle ausgänge sein konten, aber die grauen büros und der ultratechnische HR jargon, der von dort zu vernehmen war, schreckten mich in die vergessenheit des tunnels zurück. Eine weile lang glaubte ich sogar, dass ich mich zur strafe für das zerstören der unsäglichen uhr, auf immer und ewig durch diese tunnels winden müsste.

Wo der tunnel am dunkelsten wurde und ich drauf und dran war, mich niederzulegen und den geist aufzugeben, sah ich einen leuchtenden umriss, dem ich zuvor noch nie begegnet war. Mit den letzten mir verbleibenden energien, bewegte ich mich auf ellbogen und knien zentimeterweise vorwärts, erreichte den erhellten stollenmund, öffnete ihn und sah nicht krankes büro- sondern tageslicht! Kraft meiner ausgemagerten arme beförderte ich mich aus der pechschwarzen untergrund passage in die helligkeit eines neuen tages. Ich drehte mich um und sah, nur ein wenig oder gar nicht überrascht, das postamt gegenüber von unserem wohnblock.

 

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